KW 19 – die wichtigsten Neuerscheinungen der Woche

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Nachrichten aus meinem Bundesland

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Brant Bjork – Brant Bjork
Als Teil von Kyuss hat Brant Bjork in den späten Teenager-Jahren in den 90ern Stoner-Rock-Geschichte geschrieben, solo ist er mittlerweile mehr als 20 Jahre mehr oder weniger erfolgreich unterwegs. 13 Alben lang hat es gedauert, bis eines seinen eigenen Namen trägt. Zumeist ein Zeichen für die endgültige Selbstwirklichung oder besonderen Stolz auf ein Produkt. So viel anders wie früher klingt Bjork natürlich nicht, denn im groben Fahrwasser Stoner, Psychedelic, Blues und Rock hat sich der bärtige Spät-Hippie ohnehin nie besonders eingrenzen lassen. Mehr als in den letzten Jahren setzt Bjork hier aber auf einfache, nachvollziehbare Rhythmen und rückt damit den Rock’n’Roll wieder stark in den Vordergrund. Vor allem „Jesus Was My Bluesman“ oder „Jungle In The Sound“ wissen zu grooven. Die Percussion-Elemente in „Cleaning Out The Ashtray“ bringen den nötigen Swing, während sich sogar der Funk einschleicht. Eines der besseren Bjork-Solowerke, das mit unheimlicher Coolness erfreut. 7/10 Kronen

Buscabulla – Regresa
Schon die pure Demografie zeigt, dass Latin Pop in den USA noch viel mehr Popularität genießen müsste. Vor allem, wenn er so frisch und spannend zubereitet ist, wie vom Duo Buscabulla. Das heißt übersetzt Unruhestifter und steht sinnbildlich für das Durchsetzungsvermögen, dass Produzentin und DJane Raquel Berrios und Multiinstrumentalist Luis Alfredo Del Valle an den Tag legen mussten. Beide stammen aus Puerto Rico, fanden sich aber erst in New York und nahmen 2014 und 2017 zwei EPs auf, unterstützt von Dev Hynes aka Blood Orange. Nach dem verheerenden Hurrikan Maria 2017 zogen die beiden zurück in die Heimat, um sich ihrer Wurzeln zu besinnen. „Regresa“ („Rückkehr“) ist somit die Vertonung von Heimkehr, Heimatliebe, Ahnenforschung und Gemeinschaftlichkeit. Ein kurzes, aber wundervolles Konglomerat aus Indie- und Bedroom-Pop-Songs mit Latin-Appeal, die gleichermaßen Beach House, R&B und südamerikanisches Flair vermengen. Ein Geheimtipp, der bald keiner mehr sein wird. 8/10 Kronen

Cryptex – Once Upon A Time
Die Schnellsten unter der Sonne sind die Musiker von Cryptex nicht. In zwölf Jahren Bandgeschichte ist „Once Upon A Time“ gerade einmal das dritte Studioalbum. Doch Obacht! Bevor man vorschnell mit der kritischen Axt fuchtelt, muss man auch mal genauer hinhören und was die Hannoveraner an Detailverliebtheit, Leidenschaft und musikalisches Können an den Tag legen, ist durchaus als großartig zu bezeichnen. Progressive Rock mit Folk-Einsprengseln ist die Grundrezeptur, Gesang und Instrumentierung erinnern in den meisten Momenten an eine Mischung aus Savatage, Rush und dem Trans Siberian Orchestra. Auf die Genre-übliche Härte haben es Cryptex dabei zu keiner Zeit angelegt. Ihnen es wichtig, schöne Melodiebögen mit anspruchsvollen Arrangements und einer kräftigen Portion orchestraler Dramatik zu verknüpfen. Was aber besonders heraussticht – Cryptex klingen wirklich eigen und innovativ und das ist heutzutage immens selten. Well done! 7,5/10 Kronen

Klaus Doldinger’s Passport – Motherhood
„Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“, „Tatort“ und die ikonische Film-Fanfare der Constantin AG – all diese sofort in den Kopf springenden Melodien gehen auf die Kappe des Saxofonisten und Klarinettisten Klaus Doldinger. Der 83-jährige Berliner hat mehrfach Musikgeschichte geschrieben und auch im gesetzten Alter noch lange nicht genug, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Mit seiner Band Passport hat er mittlerweile gut 40 Alben veröffentlicht und geht mit „Motherhood“ tief zurück zu seinen Wurzeln, denn so hieß seine Band ursprünglich. Anstatt lupenreinem Jazz beruft sich Doldinger her auch dementsprechend auf seine Soul-, Psychedelik- und Krautrock-Wurzeln. Gaststars wie Udo Lindenberg oder Max Mutzke polieren das Ganze natürlich noch zusätzlich auf, wären aber gar nicht nötig gewesen. „Motherhood“ ist eine träumerische Reise zurück in eine Ära, als die Haare lang und die Musik noch innovativ war. Auch für Uriah Heep und Deep Purple-Fans bekömmlich. 7/10 Kronen

Emma Elisabeth – Cover Stories
Hobbymusiker als auch Profis kennen das. Man ist in erster Linie, lässt sich von gewissen Künstlern und Bands mitreißen und beginnt im besten Fall an Gitarre, Piano, Schlagzeug oder was auch immer selbst, die Noten, Melodien oder Riffs der großen Helden nachzuspielen. Viele erinnern sich auch im Laufe ihrer Karriere noch einmal daran und huldigen ihren Idolen mit nostalgisch angehauchten Coveralben. So auch die in Schweden geborene und in Berlin ansässige Emma Elisabeth, die einst unter dem Namen Betty Dittrich schon einmal versucht, sich für den European Song Contest zu qualifizieren. Das hier vorliegende Album kam unter dem alten Namen schon 2016 raus und wird hier einfach neu verpackt wiederverwertet. Davon kann man halten, was man will, die meist melancholischen und sanften Interpretationen von Steppenwolfs „Born To Be Wild“, Black Sabbaths „Paranoid“ oder Garbages „Only Happy When It Rains“ sorgen noch immer für Kurzweil. Muss man nicht haben, fließt aber wundervoll durch die Gehörgänge. Ohne Bewertung

Fake Names – Fake Names
Ziemlich langweilig und medioker klingt das, kommt einem in den Sinn, wenn man die ersten zwei Songs einmal hinter sich gebracht hat. Das überrascht insofern, als dass die Fake Names nichts anderes als eine brandneue Supergroup des Punkrock sind. Brian Baker (Bad Religion) und Michael Hampton (S.O.A.) haben die Band 2016 nach ein paar Jams gegründet und später Bassist Johnny Temple (Girls Against Boys) und Sänger Dennis Lyxzén (Refused) verpflichtet. Wie so oft ist so eine Zusammenstellung großer Namen zwar kurzweilig und witzig, aber auch wenig nachhaltig. Mit „Being Them“ nehmen sie spät Punk-Fahrt auf, „Brick“ könnte Baker auch seinem Hauptarbeitgeber Bad Religion entlehnt haben, aber schon „Darkest Days“ klingt wieder etwas mehr nach Frührentenwerk, denn nach explosiver Spielwiese. Poppige Melodien sind den Musikern wichtiger als anarchische Reaktion, was vielleicht doch ein bisschen der Lebenserfahrung geschuldet ist. Ein schönes Teil für Fans, aber prinzipiell etwas zu müde und auf Sicherheit getrimmt geraten. 5,5/10 Kronen

Forgotten Tomb – Nihilistic Estrangement
Wenn es darum geht, knietief in der Verzweiflung zu stecken und sich am Rande des Suizidalen zu begeben, dann war man in der Musik früher in Schweden oder Italien goldrichtig. Bands wie Lifelover, Shining oder eben die hier vorliegenden Forgotten Tomb aus dem Corona-gebeutelten Piacenza haben Negativität und Depression immer schon derart düster und hässlich verpackt, dass es einen schaudern konnte. Wenn es darum geht, dass Mid-Tempo-Songs mit wundervollen Melodien á la alte Katatonia gepaart werden, haben wir mit Harakiri For The Sky die Konkurrenz mittlerweile längst überholt. Das beweist auch das neue Forgotten-Tomb-Werk „Nihilistic Estrangement“, das sich nur allzu gerne in leidender Überlänge suhlt, aber wenig Haltbares vorzuweisen hat. Songs wie „Active Shooter“ oder „Distrust³“ beweisen zwar, dass sie das Genre-A&O relativ souverän beherrschen, bleiben aber nicht hängen und plätschern einfach so vorbei. Die Konkurrenz ist mittlerweile groß und hellwach – das sollten sich Forgotten Tomb zu Herzen nehmen. 5/10 Kronen

Goldroger – Diskman Antishock II
In einer Szene, die sich entweder bis zur Unkenntlichkeit mit Autotune verformt, den Konsum von Drogen als alltägliches Allheilmittel ansieht oder sich in längst müden Beefs verstrickt ist jemand wie der Kölner Goldroger ein nicht zu unterschätzender Lichtblick. Nicht nur sein an Kurt Cobain gemahnendes Äußeres lässt ihn im Gros der Szene herausstechen, auch musikalisch ist Sebastian Goldstein in allen Belangen unikal unterwegs. Die Nostalgie, die beim Albumtitel mitschwingt, verflüchtigt sich in den aktuellen, von gesellschaftlichen und persönlichen Themen durchzogenen Songs schnell. Es geht um falsche Ideale, Richtungsentscheidungen für die menschliche Zukunft, Religionskritik und Depressionen. Das Leben in all seinen bunten und nicht immer schönen Facetten, wortgewaltig, melancholisch und nachdenklich vorgetragen. Goldroger versteht vor allem eines – das Rap auch Poesie und nicht nur Geballer sein kann. Danke dafür. Wenn alles klappt, spielt er am 29. Oktober im Wiener Flex Café. 8,5/10 Kronen

T. Gowdy – Therapy With Colour
In der elektronischen Musik geht es um Innovation, das Aufbrechen von Grenzen und das Umschiffen von Gewöhnlichkeit. Dort kann aufgrund der technischen Möglichkeiten so viel experimentiert und gebastelt werden wie nirgendwo anders. Der Kanadier T. Gowdy hat sich das auf seiner halbstündigen Klangreise „Therapy With Colour“ zu Herzen genommen, und versucht den Hörer mittels elektronischer Musik in eine Art imaginäre Therapiestunde zu entführen. Mit einem Apparat namens „Nova Pro 100 Light & Sound Mind Machine“ ziseliert er Acid- und Trance-Klänge mit größtmöglichem Minimalismus und einer mehr als eigenwilligen Form von kompositorischer Neoklassik. Monotonie und Wiederholung sind die obersten Prämissen bei dieser speziellen Klangkonstruktion, die natürlich völlig ohne Stimme und Melodie, dafür mit einem Höchstmaß an Atmosphäre aufwartet. Beam me up, Scotty. 6,5/10 Kronen

Green Carnation – Leaves Of Yesteryear
An Bandboss und Gitarrist Tchort lag es, dass das norwegische Prog-Metal-Kollektiv Green Carnation international keine größere Karriere gelungen ist. Nicht nur, dass er am Debütalbum der Black-Metal-Legenden Emperor („In The Nightside Eclipse“) federführend beteiligt war, er hatte später als Musiker bei Satyricon und Einherjer noch zwei lukrative Karrieren im nordischen Extreme-Metal-Segment. So waren die hochgewürdigten Green Carnation immer eine On/Off-Band, die sich vor vier Jahren wieder für Livekonzerte entschieden und mit „Leaves Of Yesteryear“ das erste Album seit 14 Jahren präsentieren. Wobei – Studioalbum ist etwas zu viel des Guten, denn von den fünf teils überlangen Tracks sind nur drei nagelneu. Die anderen sind ein Cover von Black Sabbaths „Solitude“ und das mehr als 15-minütige „My Dark Reflections Of Life And Death“, das man auch am Debüt von vor 20 Jahren findet. Nur eben nicht eingesungen von Kjetil Nordhus, der seinen Job hier famos erledigt. Genre-Connaisseure kriegen das, was sie wollen, mit düsterem Anstrich und tightem Instrumentarium. Etwas mehr neues Material hätte es aber schon dürfen. 7/10 Kronen

The Hirsch Effekt – Kollaps
Zehn Jahre hatten Fans und Interessierte nun Zeit, sich an den originären Sound von The Hirsch Effekt zu gewöhnen. Das instrumental fitte Kollektiv aus der Scorpions-Heimat Hannover hat längst bewiesen, dass nicht nur kraftvolle Balladen und erdiger Hard Rock aus Niedersachsen kommen können. Mit ihren verfrickelten, dissonanten, aber dennoch immer ins Ohr gehenden Kompositionen haben sie mit dem Terminus „Artcore“ sogar ein eigenes Subgenre erschaffen. „Kollaps“, das fünfte Album, rückt dabei doch tatsächlich etwas von der kruden Erfolgsformel ab. Die Songs sind plötzlich wesentlich kürzer gehalten, weisen wesentlich mehr Eingängigkeit („Noja“, „Domstol“) auf und müssen beim Hören nicht mehr automatisch mit einer mathematischen Gleichung gelöst werden. Die bewusst zurückgeschraubte Avantgarde wird hart erarbeite Langzeitfans zwar komisch vorkommen, könnte The Hirsch Effekt aber ein zumindest etwas breiteres Publikum bescheren. Mit ihrem Metal-, Prog-, Jazz- und Indie-Gebräu bleiben sie im Großen und Ganzen die deutschen Dillinger Escape Plan. Wenn alles gutgeht, sind sie am 10. November im Wiener Flex zu sehen. 7,5/10 Kronen

I Break Horses – Warnings
Manchen Menschen klebt das Pech einfach am Stiefel und man kann nichts anderes tun, als es einfach auszusitzen. Das schwedische Indie-Duo I Break Horses geriet schon fast in Vergessenheit, liegt das letzte Album „Chiaroscuro“ doch schon sechs Jahre zurück. Was seitdem passierte? Eine kaputte Festplatte mit zwei Jahren Arbeit darauf, völliger Neustart statt Reparatur, Schreibblockaden, Kollaborationen, die in Luft aufgingen. Sängerin Maria Lindén hat sich dann irgendwann vor ihre Lieblingsfilme gesetzt, sie auf „Mute“ gestellt und Musik dazu komponiert, wie sie in ihrer Imagination passt. Dass daraus das dritte I Break Horses-Album werden würde, war da noch nicht mal eine Kopfgeburt. So ist „Warnings“ elektronischer, gediegener und noch luzider als die Vorgänger. Mit Beach-House-Produzent Chris Coady hat man auch den richtigen Mann gefunden, um die Entschleunigung auf Band zu bringen. Besonders eindrucksvoll klingen die Stockholmer in Überlänge. „Death Engine“ fasst die verträumte Stimmung gut zusammen, der eröffnende Neunminüter „Turn“ ist eine Hymne für die Ewigkeit. Dazwischen geht ihnen hier und da die Luft aus, aber der Weg zu einem Meistwerk ist hier definitiv der richtige. 8,5/10 Kronen

In Extremo – Kompass zur Sonne
Wenn man einer Band Konstanz zuschreiben darf, dann definitiv In Extremo. Die Berliner sind seit mittlerweile mehr als 20 Jahren nicht mehr aus der Szene wegzudenken und erfreuen ihre Fans stets mit hochqualitativen Alben. Klar, Hits wie der „Spielmannsfluch“ sind lange vorbei, aber eine gewisse Grundstärke ist bei dem Kollektiv rund um Das letzte Einhorn stets zu finden. Wer sich anno 2020 noch Mittelalter-Rock erwartet, der orientiert sich im Backkatalog der Band aber lieber zurück. Heute klingen In Extremo eher wie eine Mischung aus rhythmisch-rockigen Toten Hosen („Narrenschiff“), Rammstein („Schenk noch mal ein“) oder in den inhaltlich und musikalisch beliebigsten Momenten wie die Proleten-Truppe Böhse Onkelz („Lügenpack“). Die Songs als auch die Texte sind extrem vorhersehbar und überraschen noch nicht einmal, wenn man es selbst wirklich versucht („Gogiya mit Russkaja“). „Kompass zur Sonne“ ist ein solides, aber auch wenig aufregendes Werk und scheitert vor allem am fehlenden Ohrwurmpotenzial. Das gab es alles schon besser. Am 20. Oktober live im Wiener Gasometer. 5/10 Kronen

Kayleth – 2020 Back To Earth
Stoner Rock, ein unkaputtbares Genre, das zwar schon seit Ewigkeiten keine wirklichen Innovationen mehr zeitigt, aber von vielen großartigen Bands aus aller Herren Länder mehr als würdig durch die Gezeiten getragen wird. Nicht nur Urvater Brant Bjork veröffentlicht in dieser Woche sein neues Album, auch die wesentlich unbekannteren Kayleth legen neues Material vor. Die Band ist aus dem italienischen Verona, nicht gerade ein Musikmekka, konnte dort aber über die letzten 15 Jahre gut reifen und sich eine eigene Form des Stoner-Sounds aneignen. Doch gerade an der Eigenständigkeit mangelt es auch im dortigen Bandcamp. Textlich beschreibt man grob den Niedergang der Erde durch die Hand des Menschen und würzt das mit abgespacten Sci-Fi-Zutaten. Alles angerichtet für einen grastütengeschwängerten Kiffertraum. Am Interessantesten sind Kayleth, wenn sich mal die Synthies („By Your Side“) Raum verschaffen, völlig daneben sind die partiellen und völlig unpassenden Saxofon-Parts. An die Genre-Speerspitze kommt man so nicht. 6/10 Kronen

Kehlani – It Was Good Until It Wasn’t
„No na net – was auch sonst“, mag sich der eine oder andere denken, wenn er sich den Albumtitel genauer zu Gemüte führt. Doch hinter dem Zweitwerk des amerikanischen R&B-Stars stecken regelrechte Dramen. Nach einem fulminanten Einstieg mit „SweetSexySavage“ vor drei Jahren verstrickte sie sich in Beziehungsdramen, beging einen Selbstmordversuch und wurde von Rapper YG öffentlich betrogen (was er bis heute abstreitet). In einem Zeitalter von Instagram und Tik Tok bleibt eben nichts mehr privat. Damit musste die Kalifornierin erst einmal klarkommen, wobei sie all den Schmerz und die Enttäuschungen langsam wieder in Musik gießen konnte. Doch auch Gutes passierte – etwa die Geburt ihrer Tochter. All das bunte Treiben versammelt sich in nicht weniger als 15, zumeist aber sehr kompakten Songs, die an Spät-90er R&B- und Soul-Größen erinnern und überhaupt nicht mit dem gängigen Zeitgeist kokettieren wollen. Die Gaststar-Palette von Tony Lanez bis Klangtüftler James Blake hätte gar nicht sein müssen, ist aber Usus im modernen Pop-Business. Die Hits, die bleiben aber aus – und die braucht man als Kehlani. 7/10 Kronen

Mekong Delta – Tales Of A Future Past
1985 firmiert als das Gründungsdatum von Mekong Delta. Ein Jahr, in dem viele der in der Liste besprochenen Künstlerinnen und Künstler noch nicht einmal das Licht der Welt erblickten. Im verspielt-dissonanten Progressive-Thrash waren die Westfalen aber zeit ihres Lebens Vorreiter. In der Szene genießen sie einen unverrückbaren Kultstatus, auch wenn das Dargebotene der letzten dreieinhalb Dekaden selbst für Metalfans manchmal etwas zu wirr anmutet. Auch für „Tales Of A Future Past“, dem ersten Album nach sechs Jahren, haben sich die Vietnamkriegsfanaten wieder einmal ordentlich was angetan. Das beginnt bei der geschichtsfuturistischen, textlichen Umsetzung, geht weiter über das nach exakten Vorstellungen von H.P. Lovecraft entlehnten Cover-Artwork und endet bei den verquer verspielten, oft an der Zehn-Minuten-Grenze schrammenden Songs, die zwischen Aggression und Kitsch pendeln. Sie merken – zum Nebenbeihören ist das nichts, aber selbst bei vollster Konzentration braucht man die nötige Liebe für orchestrale Epik und dramatische Spannungsbögen, die dem bloßen Thrash-Riffing stets überlegen sind. Das Epos „When All Hope Is Gone“ ist ein Mahnmal kompositorischer Komplexität. Die Platte bedeutet Arbeit! 7/10 Kronen

Oathbreaker – Ease Me & 4 Interpretations EP
Szeneinsider wissen längst, dass Oathbreaker zu den besten und spannendsten Bands im erweiterten Metalsegment zählen. Mit ihrer Mischung aus harschem Black Metal apokalyptisch anmutenden Post Hardcore und einer nicht zu leugnenden Punk-Attitüde haben sie tatsächlich etwas Neues in die gesättigte Musikwelt geboren. Vor allem der letzten Langdreher „Rheia“ war ein überbordendes Beispiel für Ideenreichtum und Leidenschaft. Seitdem ist leider nicht mehr allzu viel passiert, außer die im letzten Jahr veröffentlichte Single „Ease Me“, ein atmosphärisches Stück Endzeitstimmung, das Sängerin Caro Tanghe und Co nun auf eine digitale EP geworfen und von befreundeten Bands remixen haben lassen. Jesu, Wife, Michael A. Muller und die famose Chelsea Wolfe haben sich ausgetobt und dem Stück neue Facetten angedeihen lassen. Interessant und kurzweilig, aber hoffentlich nur ein Appetizer für ein neues Album. Ohne Bewertung

Axel Rudi Pell – Sign Of The Times
Unbändige Konstanz, das beharrliche Beschreiten eines Weges, ohne auch nur im Ansatz zur Seite zu blicken oder sich Ratschläge eines Marktes zu bedienen. Für all das steht Axel Rudi Pell seit mehr als 30 Jahren wie kein Zweiter. Der Bochumer, der unlängst einem breiteren Publikum im deutschen Privatsender-Boulevard mit seinem Garten bekannter wurde, schraubt mit seinem Soloprojekt kompromisslos an seiner eigenen Legende und verändert die musikalische Rezeptur dabei noch nicht einmal im Ansatz. „Sign Of The Times“ ist – je nach Zählweise – sein 16. oder 19. Studioalbum. Darauf zu hören ist knackiger, top-produzierter Heavy Metal mit Hard-Rock-Schlenkern und der stets hörbaren Liebe zu seinen allergrößten Idolen Led Zeppelin, Uriah Heep und Deep Purple. Pell wedelt über das Griffbrett, Johnny Gioeli unterstützt stimmlich nach Kräften und auch die üblichen ein bis zwei Balladen dürfen nicht fehlen. Doch halt! Was ist „Living In A Dream“? Da hat sich doch tatsächlich ein Reggae-Beat verirrt. Nein, nächstes Mal bitte nicht mehr, danke. Am 20. Oktober live in der Szene Wien. 7/10 Kronen

Secrets Of The Moon – Black House
Allzu oft beklagt man im weiten Feld des Black Metal Innovationsarmut und billige Nachmacherei. Fakt ist, man muss sich nur an die richtigen Stellen wenden. Secrets Of The Moon aus Osnabrück machen nun seit mehr als 20 Jahren abwechselnd, neu und stets verändert ihre Vorstellung von Musik, die den Black Metal längst nur mehr als Korpus hat, der die Buntheit der Songs zusammenhält. Da macht auch „Black House“, das erste Album seit fünf Jahren, keine Ausnahme. „Black House“ orientiert sich vermehrt an 80er-Goth der Marke Sisters Of Mercy, fürchtet sich nicht vor grungigen Alice-In-Chains-Zitaten, suhlt sich manchmal in epischen Theater Of Tragedy/Katatonia-Sphären und lässt auch die Moderne in Form von Beastmilk nicht außer Acht. Gäste aus Bands wie Swans, Empyrium, Dark Fortress oder Enemy Of The Sun spiegeln die Vielseitigkeit auch im Einladungsbereich gut wider. Songs wie „Don’t Look Now“ oder „Mute God“ gehören auch wegen Phil Jonas‘ Clean Vocals zum mitunter Besten, was der Metal anno 2020 aufzubieten hat. Secrets Of The Moon bieten einen wilden Ritt durch alle Sinne. 9/10 Kronen

Sojourner – Premonitions
Bedrohlich und bedeutungsschwanger blickt die riesengroße Eule auf die beiden Menschen, die sich mitten im Wald wohl selbst zwicken müssen, um das hier Vorhandene fassen zu können. Das Fantasy-Cover-Artwork von „Premonitions“ führt in eine mystische Traumwelt, die Musik des internationalen Projekts Sojourner tut das ebenso. In Szenekreisen schon seit einigen Jahren gehypt, widerlegen sie sämtliche Trendansprüche und zelebrieren im Großen und Ganzen eine Mischung aus melodischem Black Metal mit einer harschen Death-Metal-Stimme, wie sie vor allem Mitte bis Ende der 90er-Jahre für Begeisterung sorgte. Dazu gibt es gemütliche Folk-Einlagen und eine engelshafte Frauenstimme, die das melodische Gebolze immer wieder aufweicht und für eine andere Farbe sorgt. Eine Stunde Spielzeit ist dann fast etwas viel, aber wer sich zuhause einmal so richtig fallen lassen will, der wird mit Songs wie „Eulogy For The Lost“ oder „The Event Horizon“ wunderbar bedient. Vielleicht sollte man den Gothic Metal noch ausbauen oder gleich bleiben lassen, würde die Sache ansonsten runter gestalten. 7,5/10 Kronen

Supernaughty – Temple
Wenn man schon mal mit einer Legende wie High On Fire Konzerte spielen darf und das noch im Embryomodus der eigenen Karriere, dann ist zumindest der Start schon einmal mehr als gelungen. So geschehen bei den italienischern Stonern von Supernaughty, die sich seit 2014 ganz der Desert-Rock- und Doom-Lehre US-amerikanischer und britischer Prägung verschrieben haben. Ganz nach dem Muckibuden-Motto „dein Körper ist dein Tempel“ versuchen Supernaughty mit „Temple“ dann auch ihre Version eines ultimativen Genre-Albums zu kredenzen. Der Versuch ehrt sie, von den großen Namen und Legenden der Szene sind sie aber natürlich Lichtjahre entfernt. Das beginnt bei der Gleichförmigkeit der Songs, zieht sich weiter durch viele lähmende Passagen in den nur 30 Spielminuten und endet damit, dass nicht mal der Ansatz eines Songs länger als zehn Sekunden in den Gehörgängen verhaften bleibt. Dass der Sound wie in den frühen 90ern eiert, ist anno 2020 auch völlig unnötig. Guter Versuch, eher überschaubare Umsetzung. 5,5/10 Kronen

Das Trojanische Pferd – Gunst
Einen „Kindergeburtstag in Kaltenleutgraben“ – wer würde ihn nicht dort feiern wollen? Das Trojanische Pferd rund um Mastermind Hubert Weinheimer will auf jeden Fall. Und das bei seinem auch schon mehr als eine Dekade existierenden Projekt nichts nach Norm passiert und alles erlaubt ist, ist Indie-Liebhabern des Wiener Kollektivs nun auch schon vier Alben lang bekannt. Den Terminus „Lieder“ rückt das Label Monkey bewusst in den Vordergrund, wohl auch, weil Klang, Text und Nonkonformität stets gleichermaßen im Mittelpunkt stehen. Den Lebensmittelpunkt am Wiener Schauspielhaus merkt man dem Frontmann auf „Gunst“ stets an. Theatralik und Dramatik sind für den Kammerpop essenziell, anstatt des ausgeruhten Folk gibt es beim Trojanischen Pferd anno 2020 auch mehr denn je Ausflüge in die hippe Elektronik. Eine Neu-Adaptierung auf Basis der gewohnten Zutaten, sozusagen. Die Beobachtungen über die Liebe und das Leben gelingen vor allem auf „Ich weiß, wo du wohnst“, „Sei lieb zu mir“ und „Fensterkitt“ besonders gut. Art-Pop made in Austria. 7/10 Kronen

Vonheim – In The Deep
Alle fünf Mitglieder sollen verschiedene musikalische Einflüsse haben, besagt die Legende. Oder zumindest die Presseinformation, die man mit dem zweiten Album von Vonheim mitbekommt. Die Norweger grenzen sich von den zwei wichtigsten Exportklängen Black Metal und EDM ab und verstehen sich mehr in der Tradition progressiver Rockbands. Wobei – progressiv steht hier nicht für durchtrabende Dissonanz á la Rush oder Steven Wilson, sondern mehr für mittelalte Muse, experimentierfreudige Radiohead oder aus dem Rahmen brechende Klaxons. Dass man den immer erfolgreicher werdenden Landsmännern von Leprous nacheifert, ist hingegen nur in Nuancen zu hören, denn Vonheim huldigen nicht nur ihrer geliebten norwegischen Westküste, sondern auch dem Alternative Rock, ohne sich für ihren klar hervortretenden Pop-Appeal zu schämen. Das Gute: die Songs sind gut durchdacht, herzhaft und manchmal wirklich gelungen („West Coast“, „Philippe Petit“). Der Nachteil – allzu oft langweilt man mit Redundanz und klagender Stimme. Da geht noch mehr. 6,5/10 Kronen

Hayley Williams – Petals For Armor
Paramore sind eine der erfolgreichsten und beliebtesten Alternative-Rock-Bands der Welt. Auch wenn die Popularität in Europa bei weitem nicht an die in den USA heranreicht, gibt es in diesem Sektor derzeit wenig Spannenderes zu beobachten. Das liegt zu einem erheblichen Teil an Frontfrau Hayley Williams, die schon länger an einem Soloalbum feilte und bereits mit unterschiedlichsten Künstlern wie Zedd, Chvrches oder New Found Glory experimentierte. „Petals For Armor“ ist nun dementsprechend üppig geworden und umfasst nicht weniger als 15 Tracks. Die hat Williams auch auf drei EPs aufgeteilt, von denen zwei bereits länger zu hören sind – ja, die neue Musikwelt mag durchaus konfus sein. Mit herkömmlichen Mainstreampop hat das sehr persönliche Werk wenig zu tun. Dafür ist die 31-Jährige viel zu experimentierfreudig und autoritätsscheu. Stimmlich hält sie sich im Hintergrund, webt Lounge und Jazz-Atmosphäre ein und versucht sich eher im sanften, unspektakulären Segment. Der Sound ist glasklar und die Interpretationen von starken Songs wie „Sudden Desire“ oder dem Closer „Crystal Clear“ haben nichts mit ihrer Hauptband zu tun. Ein starker Einstand, der noch etwas Luft nach oben hat. 7,5/10 Kronen

Winterfylleth – The Reckoning Dawn
Ein bisschen überraschend für langjährige Fans von Winterfylleth kam von vor zwei Jahren das reine Akustikalbum „The Hallowing Of Heirdom“. Was aber ein kapitaler Bock hätte werden können, war tatsächlich ein würdevolles, instrumental und aufnahmetechnisch intensives Stück melodische Schönheit, an dem so viele berühmtere Namen aus der mannigfaltigen Black-Metal-Welt mit Ach und Krach gescheitert wären. So hatten dann mehr Fans als gedacht wohl die Hoffnung, dass die Briten diesen Weg auf dem neuen Album „The Reckoning Dawn“ weitergehen würden. Darauf hatte Frontmann und Bandchef Chris Naughton schlussendlich aber keine Lust und holzte mit seinen Spießgesellen nach dem beliebten Prinzip „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, lieber wieder einen wuchtigen Block atmosphärischen Schwarzmetall der Marke Primordial, Drudkh oder Wolves In The Throne Room ein. Mit „Absolved In Fire“ und „A Greatness Undone“ finden sich zwei richtige Brecher auf einem ohnehin hochklassigen Album, das maximal für seine mangelnde Innovationskraft kritisiert werden kann. 8/10 Kronen

Robert Fröwein

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