Gloria v. Thurn und Taxis zeigt Kunst in Bahnhof

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Seit 1. Mai steht Kärntens Kunst- und Kulturszene im Zeichen der Reihe „Kopf-Head-Glava“ des Kunstvereines Kärnten. In der Ausstellung „Kopflastig“ am Pörtschacher Bahnhof sind auch Werke von Gloria von Thurn und Taxis ausgestellt.

Es herrscht „großer Bahnhof“ in Kärnten, wenn sich eine deutsche Prinzessin unter heimische Künstler gesellt. Gloria von Thurn und Taxis zeigt – zum allerersten Mal in Österreich – eine Auswahl ihrer Porträts, die quer durch alle Gesellschaftsschichten gehen. Doch warum stellt sie ausgerechnet auf einem kleinen Kärntner Bahnhof aus?

Kunst im Kopfbahnhof

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Fasziniert von Augen, Mündern, Augenbrauen… “

Die Entscheidung sei „ganz einfach“ gewesen, so Gloria von Thurn und Taxis. „Das Thema Kopfbahnhof und das Thema Kopf ist etwas, womit ich mich beschäftige. Ich bin fasziniert von Augen, Mündern, Augenbrauen, Haaren und Hälsen – das finde ich sehr spannend und schaue ich mir gerne an.“

Kunst im Kopfbahnhof

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Thurn und Taxis`Interpretation des Rappers „Sido“.

Zentral sei aber auch „die Einladung ins Paradies“ gewesen. „Der Wörthersee ist für uns Deutsche ja der Inbegriff vom Paradies. Hier fühlt man sich wohl am See, es ist einfach herrlich schön und es hat einfach beides zusammen gepasst. Das Thema, meine Kunst und der schöne Ort“, so Gloria von Thurn und Taxis.

“… nicht ganz Meisterin meiner Bilder”

Ausgestellt in der „Galerie am Kopfbahnhof“ sind Thurn und Taxis` Ölbilder und Aquarelle. Zentral darin seien die Augen zu sehen. „Die Augen geraten bei mir von alleine immer etwas größer. Ich glaube, die Augen sind der Schlüssel zur Seele und man kann darin sehr viel von der Empfindung ablesen.“ Sie als Malerin sei deshalb nicht ganz der Meister ihrer eigenen Bilder, „diese entstehen auch ein bisschen aus dem Zufall heraus. Ich bin handwerklich nicht so gut, dass ich das alles so bestimmen kann. Die Intuition spielt eine große Rolle – das wird dann einfach.“

Kunst im Kopfbahnhof

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Brandy Brandstätters Köpfe – vielfach in der Ausstellung vertreten.

Witzig-tiefgründiges von Brandy Brandstätter

Was in der „Galerie am Kopfbahnhof“ den Sommer über zu sehen sein wird, ist „Kopflastig“ im besten Sinne. Dort, wo sonst ein einsamer Fahrscheinautomat seinen Dienst verrichtet, sind aber insgesamt sechs künstlerische Positionen zu sehen. Als einziger Kärntner und relativ breit vertreten ist der Grafiker Brandy Brandstätter. Er zeigt Tiefgründiges in witziger Form – aufgespürt im Alltag von jedermann und jederfrau. Das Thema „Köpfe“ sei beinahe für ihn maßgeschneidert. „Ich habe mich selbst bremsen müssen. Bei mir im Atelier liegen noch 20 Köpfe herum“.

Kunst im Kopfbahnhof

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„Großer Bahnhof“ bei der Eröffnung der Galerie in Pörtschach.

„Kopfbahnhof“ – keine Sackgasse für die Kunst

Zwischenzeitlich sei es „zugegangen wie in einer Bäckerei. Man kommt von einer Metapher zur nächsten, ich habe vier bis fünf Köpfe zugleich gebastelt.“ Auch bei der Namensnennung der „Galerie im Kopfbahnhof“ habe er mitgewirkt. Dabei ist ein „Kopfbahnhof“ seinem Wesen nach ja eigentlich eine Sackgasse – zumindest in verkehrstechnischer Hinsicht. Ganz und gar nicht aber, wenn es um die Kunst geht und darum, in den Köpfen der Menschen etwas in Bewegung zu bringen, meint Kuratorin Elisabeth Plank, „Kopfbahnhof“ sei in dem Sinne gemeint, „dass der Kopf wichtig ist. Das Ankommen, das Abreisen, Gefühle die hier passieren und die versuche ich auch in die Galerie hineinzutragen.“ Deshalb habe sie sich auch den Bahnhof Pörtschach zur temporären Galerie auserkoren. „Normal“ ausstellen kann ja schließlich bald jemand.

Kunst im Kopfbahnhof

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Was treibt uns zur Selbstoptimierung?

Inmitten beschaulichen Bahnhofsflairs die eigene Kunst zu zeigen ist eine Gelegenheit, die auch Eva Silberknoll gerne ergriffen hat. „Ein Bahnhof wird besonders frequentiert, es gehen viele Leute vorbei. Kunst kann auf diese Weise auch Menschen nähergebracht werden, die sich vielleicht nicht in eine Galerie trauen würden.“

Silberknoll setzt sich in ihren Arbeiten kritisch mit dem Thema Selbstoptimierung durch Schönheitschirurgie und Biopolitik auseinander. „Es interessiert mich einfach, wie und warum jemand sich selbst optimieren möchte.“

Kunst im Kopfbahnhof

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Ihre künstlerische Erkenntnis nach zehn Jahren Beschäftigung mit dem Thema lautet, „dass unsere Körper nicht mehr etwas Gegebenes für uns sind, sondern immer mehr als eine Art weiße Leinwand wahrgenommen werden, die wir alle nach unseren Wünschen und Vorstellungen verändern können. Die Körperteile selbst sind einzeln und austauschbar, die wir je nach Wunsch anpassen.“

Kunst im Kopfbahnhof

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Das Ich ist Schauspieler und Zuschauer zugleich

Das Ich als Spiegel und den Körper als Forschungsfeld zwischen innen und außen nutzt Isabel Belherdis in ihren sogenannten Autoperformances. Die „Evidence“ genannte Arbeit sei am Wörthersee entstanden, der einen Fixpunkt in ihrem Leben darstelle. Auch zum Bahnhof Pörtschach habe sich durch die Ausstellung ein ungeahnter familiärer Bezug ergeben. „Mein Großvater, den ich nie gekannt habe, hat den Bahnhof Pörtschach Mitte der 50er Jahre eröffnet“.

Kunst im Kopfbahnhof

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Isabel Belherdis bei ihrer Autoperformance „Evidence“ am Ufer des Wörthersees.

„Ich trete quasi für mich selber auf“

Die Autoperformance sei eine speziell entwickelte Methode, „in der ich eine poetische Mensch-Objekt-Bühne für mich selbst kreiere. Ich trete quasi für mich selber auf, bin also Schauspieler und Zuschauer zugleich.“

Kunst im Kopfbahnhof

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Belherdis zeigt in der Ausstellung neben der Videoinstallation die sich wie Blätter biegenden Stahlskulpturen „Bogen“ und „Welle“. Auch Zeit und Raum spielen in ihren Arbeiten eine gewichtige Rolle.

Kunst im Kopfbahnhof

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Kleinformatiges macht Besucher „kopflastig“

Die Arbeiten von Jörg Pagger stechen insofern hervor, als seine kleinformatigen Bilder die Köpfe der Betrachter beim Gang durch die Galerie quasi automatisch näherrücken lassen. Kopflastig andersherum, quasi.

Kunst im Kopfbahnhof

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Jörg Pagger beim Betrachten seiner Bilder

Egal ob humorvoll oder politisch – den eigenen Kopf zu gebrauchen, ist hier gefragt. Pagger: „Im letzten sind meine Figuren alle ein Stück einsam. Wenn man dann zu ihnen hingeht, entsteht möglicherweise diese Verbindung, die das Bild und den Betrachter zusammenführt.“

Kunst im Kopfbahnhof

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Kunst im Kopfbahnhof

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Kopfskulptur als Einladung vor dem Bahnhof

Den Bereich Skulptur deckt in der Ausstellung Hannes Neuhold ab – eine große Arbeit vor dem Eingang des Pörtschacher Bahnhofs soll die Besucher zum Schauen und Staunen bringen. Bis 26. August wird der Kopfbahnhof neben der Kunst mit Veranstaltungen bespielt – es folgen Künstlergespräche, Führungen, Poetry Slam und jeden zweiten Samstag ein Galeriefrühstück und auch der „Carinthische Sommer on Tour“ wird Station machen.

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