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Am 2. Juni 1999 feierte der Servette FC den 17. Schweizer Meistertitel seiner Klubgeschichte – und den bis heute letzten Meistertitel für die Romandie. Der Genfer Gérard Castella führte das Team um Eric Pédat und Sébastien Fournier in einem verrückten (Regen-)Spiel in Lausanne zu einem 5:2-Sieg, der in Extremis im Kampf gegen GC und Lausanne den Titel nach Genf brachte.

Servette Genf legte die Basis zum 17. Meistertitel der Klubgeschichte bereits in der Anfangsphase der Saison. In den ersten sechs Spielen blieb die Mannschaft von Gérard Castella ungeschlagen und verlor in der gesamten Qualifikation (22 Runden) nur zwei Mal: Beim 0:3 auf dem Hardturm gegen GC und zu Hause beim blamablen 0:1 gegen die Young Boys. Am Ende der Qualifikation wies Servette sechs Punkte Vorsprung auf GC, Zürich und Lausanne auf. Nur der Modus mit der Punktehalbierung vor der Finalrunde erlaubte es der Konkurrenz, noch auf den Meistertitel zu hoffen.

Doch auch die erfolgreiche Qualifikation lässt die Genfer Verantwortlichen mit der finanzkräftigen französischen Privatfernsehstation «canal+» im Rücken nicht ruhen. In der Winterpause wurde die Mannschaft mit dem Bulgaren Martin Petrov (CSKA Sofia), dem Litauer Thomas Razanauskas (Lens), dem Franzosen Laurent Leroy (Paris St-Germain) und St.Gallens Holländer Edwin Vurens in der Offensive nochmals markant verstärkt. Nach drei Finalrunden-Spielen stiess zudem noch Nati-Verteidiger Sébastien Jeanneret von Xamax zu Servette.

Durchhänger in der Finalrunde
Im Gegensatz zur überragenden Qualifikation verlief die Finalrunde (14 Runden) aber nicht ohne Durchhänger. Niederlagen in St.Gallen (0:2) und Luzern (1:2) liessen den Vorsprung schmelzen – und die Genfer verloren sogar die Tabellenführung. Nach dem 1:2 gegen Xamax und dem 0:4 beim FC Zürich war der einst stolze Leader definitiv vom Meisterkurs abgekommen. Und Lausanne hatte sich mit sieben Spielen in Serie ohne Niederlage in die beste Ausgangslage gebracht.

Als 35 von 36 Runden gespielt waren und am 2. Juni 1999 die letzte Runde der Meisterschaft auf dem Programm stand, konnten noch drei Klubs Schweizer Meister werden. In der Tabelle führte Lausanne (4. nach Qualifikation) mit 45 Punkten vor Servette (1. Q.) und GC (2. Q.) mit jeweils 43 Zählern. In den Medien wurden die Titelchancen von Lausanne, das im eigenen Stadion Servette zum direkten Duell erwartete, mit 60 Prozent beziffert, jene von Servette mit 30 und jene der Grasshoppers mit 10 Prozent. Wichtig zu wissen: Im damaligen Modus entschied bei Punktgleichstand nicht die Tordifferenz, sondern die Platzierung nach der Qualifikation über die definitive Rangierung!

Finalissima auf der Pontaise
Es folgte eines der spektakulärsten Entscheidungsspiele der Schweizer Fussballmeisterschaft. Servette liess vor 15’800 auf der ausverkauften Pontaise manch missglückten Auftritt in der Finalrunde vergessen und verfügte an diesem Abend – im strömenden Regen – über die effizientere Offensive. Die Genfer musste das von Urs Meier geleitete Spiel gewinnen und liessen sich auch nicht vom Weg abbringen, als Fabio Celestini das Heimteam in der 9. Minute in Führung brachte. Mit diesem Resultat hätte LS nach 34 Jahren des Wartens den achten Meistertitel der Klubgeschichte feiern können.

Doch die Lausanner jubelten zu früh. Nach wenigen Minuten schlug die Servette-Offensive zurück. Zentrale Figur im Genfer Rausch war der Holländer Edwin Vurens, der den gesperrten Torschützenkönig Alexandre Rey (19 Tore) in der Sturmspitze ersetzte. Innert zwei Minuten (13. / 15.) brachte er mit zwei herrlichen Toren Servette in Führung – und Lausanne komplett aus dem Rhythmus. Nach einer halben Stunde holte der Bulgare Martin Petrov einen Penalty heraus und verwertete selber zum 3:1. Doch dieser Treffer bedeutete noch nicht die Vorentscheidung in diesem verrückten Spiel. Eric Pédat liess Lausanne mit seinem Fehler, der zu Marko Pantelics 2:3 führte, nochmals hoffen.

Doch genau Pantelic war es, der kurz nach der Pause die einzige Möglichkeit vergab, die Pierre-André Schürmanns Equipe vielleicht doch noch zum Meister hätte machen können. Nach einem Zuspiel des Schweden Stefan Rehn traf er alleine vor Pédat das Tor nicht – und fast im Gegenzug schoss Vurens das 4:2 für die Gäste (51.). Es war das Tor zum Titel. Von diesem neuerlichen Rückschlag erholte sich Lausanne nicht mehr und der Schweizer Meister 1999 hiess Servette FC. Kurz vor Schluss krönte Petrov das Spiel und damit die Saison der Genfer mit dem 5:2.

GC geschlagen – aber auch die Romandie
Der gleichzeitige 5:0-Sieg der Grasshoppers gegen Neuchâtel Xamax war ein Muster ohne Wert. Denn bereits vor dem Spiel war klar, dass GC bei einem gleichzeitigen Sieg von Servette nicht mehr Meister werden kann. Denn wie oben erwähnt entschied nicht die klar bessere Tordifferenz (+20 gegenüber +5 von Servette) über die definitive Rangierung, sondern das Klassement der Qualifikationsrunde, die Servette mit sechs Punkten Vorsprung auf die Zürcher abgeschlossen hatten.

Während sich GC in den Jahren 2001 und 2003 noch zwei Mal als Champion feiern lassen durfte, schaffte es Servette seit 1999 nie mehr auch nur in die Nähe des Meistertitels. Und auch kein anderer Klub aus der Romandie schaffte das Kunststück in den letzten 20 Jahren. Finanzielle Probleme, der Konkurs und damit der erstmalige Abstieg in der Klubgeschichte aus der höchsten Schweizer Liga im Frühling 2005 bedeuteten gar einen Tiefpunkt in der Historie des 1890 gegründeten Traditionsklubs aus Genf, der mit 17 Meistertiteln noch immer auf Rang 3 der ewigen Bestenliste des Schweizer Fussballs steht.

Doch es besteht Hoffnung: Seit dem Aufstieg auf die Saison 2019/20 hin sorgt Servette in der Raiffeisen Super League auch sportlich wieder für Furore und positive Schlagzeilen. Und mit Sion und Xamax hat die Westschweiz seit langer Zeit wieder drei Vertreter in der höchsten Schweizer Liga. Wann dürfen die Fans aus der Romandie den lang ersehnten nächsten Meistertitel feiern?

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