“26 Men”, USA 1957-59 (Review)

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Das nachfolgende Review stellt Euch eine jener Westernserien vor, die rein auf historischen Tatsachen basiert. Trotz aufwändiger Recherche konnte ich bislang aber leider nicht zweifelsfrei klären, ob einige Folgen der Serie damals auch im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Persönlich habe ich zumindest keinerlei Erinnerung daran, doch eine sehr zuverlässige Website in den USA führt an, daß 26 Men auch in Deutschland gelaufen sei. Wenn dem tatsächlich so gewesen ist, waren es vermutlich – wie leider so oft – nur wenige Folgen, die nach all den Jahrzehnten aber in tiefste Vergessenheit gerieten. Sollten andere Westernfans hierzu vielleicht über konkrete Infos verfügen, dann zögert bitte nicht und teilt sie hier mit…

Bildquelle:

Screenshot von youtube

(zum Vergrößern anklicken)

Originale Titeleinblendung26 Men
78 Folgen á 25 Min. in 2 Staffeln, s/w

Erstausstrahlung USA: 15.10.1957 – 30.06.1959

Ob Folgen der Serie jemals in Deutschland liefen, ist bislang nicht sicher geklärtDarsteller:
Capt. Tom Rynning………………Tristram Coffin (13.08.1909 – 26.03.1990)

Ranger Clint Travis………………Kelo Henderson * 08.08.1923

Ranger Hillborn…………………..Hal Hooper (11.11.1912 – 02.11.1970)

Ranger Andrew Shoreham……..Gregg Palmer (25.01.1927 – 31.10.2015)

Ranger Johnny Whitecloud……..Jack Beutel (05.09.1915 – 27.06.1989)

Gaststars:
Denver Pyle, Leonard Nimoy, DeForest Kelley, Doug McClure,

Lash LaRue, Don Haggerty, Edgar Buchanan, Jim Davis u.v.m.

Die vier originalen Ranger:John McKittrick Redmond (02.02.1884 – 12.05.1967)

William Oliver Parmer (09.12.1880 – 04.05.1961)Joseph Harrison Pearce (04.09.1873 – 04.03.1958)Clarence L. “Chapo” Beaty (1874 – 1964)Arizona Territorium, ein 113.909 Quadratmeilen riesiges Gebiet, welches im Süden an Mexiko grenzt, war selbst zur letzten Jahrhundertwende des vergangenen Millennium noch immer ein ziemlich gesetzloser Landstrich des alten Wilden Westen. Um auch diesen endlich zu zähmen und Gesetz und Ordnung durchzusetzen, wurde anno 1901 nach dem Vorbild der Texas Ranger eine autorisierte Einheit zum Gesetzesvollzug gegründet, die sich Arizona Ranger nannte. Da sich die Verwaltung des Territorium aber nicht mehr leisten konnte, bestand diese Truppe zunächst lediglich aus 14, ab anno 1903 dann aus 26 Männern: einem Captain, einem Lieutenant, vier Sergeants sowie zwanzig Privates (unterster Rang einer Truppe). Bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1909 brauchte es insgesamt 107 Männer, um diese geringe Stärke überhaupt aufrecht zu erhalten. Und nur dem unermüdlichen Einsatz dieser wagemutigen Ranger ist es zu verdanken, daß Arizona anno 1912 zum 48. Staat der USA aufgenommen wurde.

Schon bei der Planung zur Serie legte Produzent Russell Hayden, selber ein Urgestein im Western-Genre, großen Wert auf höchstmögliche Authentizität. So bildeten die historisch sorgfältig dokumentierten Heldentaten der echten Rangertruppe die Grundlage aller verfilmten Geschichten. Der Pilot wurde zwar noch im Placerita Canyon in Kalifornien gedreht, doch alle weiteren Folgen entstanden dann in den Cudia City Studios von Phoenix, Arizona. Somit wurde die Reihe auch im ehemaligen Arizona Territorium produziert, in dem Gebiet, wo einst die 26 Ranger auch tatsächlich ritten. Um diese posthum zu ehren sowie die große historische Bedeutung für den Staat Arizona zu unterstreichen, schrieb Russell Hayden gemeinsam mit dem Komponisten Harold Hopper den heroischen Titelsong “The Story of 26 Men”, der sowohl im Vorspann wie auch im Abspann jeder Folge erklingt…

“Saddle up, saddle up.
Saddle up, saddle up, saddle up.
This is the story of 26 Men.
Who rode the Arizona Territory.
High is the glory of 26 Men,
Whose courage helped to build the Territory.
26 Men who saddled up and then
Rode out to answer duty’s call.
26 Men who lived to ride again
And fight for the rights and the liberty of all.
This is the story of 26 Men
Enforcing law within the Territory.
Praise be the Glory of 26 Men
Who rode the Arizona Territory.
Ride on. Ride on. Ride on…”
Noch während die letzten Zeilen des Titelliedes gesungen werden, schwengt die letzte Bildsequenz des Vorspanns auf das Enblem vom Großen Siegel des Staates Arizona um, worauf die schriftliche Einblendung zu lesen steht (frei übersetzt):

“Dieser Film ist den 26 Rangern von Arizona gewidmet, deren bedeutende und heldenhafte Taten es möglich machten, daß Arizona ein Staat wurde. Dies ist eine wahre Geschichte. Nur die Namen wurden geändert, um Unschuldige zu schützen.”
Auf dieses Große Siegel des Staates Arizona wird übrigens auch von jeder Schlußszene der Folgen nochmals kurz übergeblendet, bevor dann der Abspann mit den End Credits startet und abermals das Titellied erklingt.

Einen wohl einzigartigen Meilenstein in Sachen Authentizität bewirkte Russell Hayden dadurch, indem er vier der damals noch lebenden Ranger Veteranen, namentlich Clarence Beaty, Joe Pearce, W. Oliver Parmer sowie John Redmond, jeweils persönlich in diverse Folgen einführen ließ. Nach dem Vorspann erschien in diesen Fällen dann einer der betagten Herren im Bild, stellte sich kurz vor und betonte, daß die nachfolgende Geschichte seinen persönlichen Akten entnommen sei. Das klang dann (frei übersetzt) z.B. so: “Hallo Leute. Mein Name ist Clarence Beaty. Ich diente den Rangern unter Captain Rynning für vier Jahre. Die Geschichte, welche ihr nun sehen werdet, ist eine wahre Begebenheit aus meinen Akten. Hoffe, daß sie euch gefällt.”

Den semidokumentarischen Charakter der Serie unterstrich Produzent Russell Hayden zudem noch mit anderen Varianten. So führte auch Hauptdarsteller Tris Coffin in etliche Folgen ein. Die Kamera zeigt ihn dabei an seinem Schreibtisch sitzend, vor ihm das große Namensschild ´Capt. Tom Rynning` aufgestellt, und Coffin berichtet sowohl über allgemeine Belange der Ranger, wie natürlich über Details zur bevorstehenden Episode, in der er auch weiterhin zusätzlich als Off-Sprecher fungiert. Das Stilmittel der Off-Sprecher war in der TV-Ära der 1950er und 1960er Jahre ja sehr beliebt und weit verbreitet in unzähligen US-Serien. So natürlich auch in 26 Men. Etliche Folgen beginnen sogar mit einer identischen Bildsequenz und dem ebenfalls identischen Off-Text (frei übersetzt):

“26 Männer, sorgfältig ausgewählt nach ihrer Tapferkeit und ihren Fähigkeiten, bildeten die Arizona Rangers. Ruhm und öffentlicher Beifall war nicht ihr Anliegen. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb die Geschichte dieser 26 Männer niemals erzählt wurde bis heute…”
Aber mit welcher unterschiedlichen Intro die Episoden auch immer beginnen, den Zuschauer erwarten in dieser spektakulären Westernserie tiefe Einblicke in die letzten ungezügelten Jahre des Wilden Westen. Spannende und oftmals auch recht bleihaltige Geschichten dokumentieren den erbitterten Kampf nur weniger tapferer Männer auf Seiten des Gesetzes gegen eine Übermacht an skrupellosen Banden, an Mord und Totschlag, an Bankräubern, an Viehdieben, an Mördern, an Brandstiftern und an sonstigen Bösewichten, die damals das Arizona Territorium in Angst und Schrecken versetzten. Von bewährten Regisseuren glänzend in Szene gesetzt und überzeugend gut gespielt von allen Darstellern, sowohl von den namenhaften als auch von den weniger bekannten.

Für mich hingegen völlig unverständlich, daß 26 Men bis heute noch immer keine vollständige Würdigung auf DVD erhielt. Zwar brachte bereits anno 2005 das auf Public Domain spezialisierte Label Alpha Video insgesamt drei Volumes heraus, jedoch lediglich mit jeweils 4 einzelnen Folgen. Im Jahr 2011 veröffentlichte das Label TMG dann eine 3 Disc-Edition mit insgesamt 20 Episoden, doch mehr ist bislang von den 78 Folgen offiziell nicht erschienen. Selbst wer nun beide Editionen besitzen sollte kommt nur auf insgesamt 22 Folgen, da bis auf 2 Episoden die Titel der VÖs identisch sind. Außerdem läßt die Bildqualität stark zu wünschen übrig, denn restauriert wurde hier leider gar nichts, weder von Alpha Video noch von TMG.

Dennoch ist und bleibt diese historische Serie ein echtes Juwel im weiten Western-Universum; selbst nur das verfügbare Viertel aller Folgen weiß nachhaltig zu begeistern… und verlangt mit Suchtfaktor nach mehr. Bleibt zu hoffen, daß auch die übrigen Episoden ihren Weg auf Silberlinge noch finden mögen…

Randnotizen:
Sieben der originalen Ranger waren noch am Leben, als die Serie 26 Men im Herbst 1957 in den USA auf Sendung ging.

Der letzte der originalen Ranger, John R. Clarke, starb am 5. Mai 1982 im Alter von 97 Jahren.

Am 4. Januar 2011 starb im Alter von ebenfalls 97 Jahren Rita Rodriguez Beaty, die letzte Witwe eines damaligen Rangers. Sie hatte ihren Mann, Clarence Beaty, allerdings erst im Jahre 1931 kennengelernt und wenig später sehr jung geheiratet. Sie war 19, er bereits 58 Jahre alt. Mit ihrem Tod erlosch die letzte unmittelbare Verbindung zu den originalen Rangern.

Die beiden Episoden The Tiger und Tumbleweed Ranger waren ursprünglich als Piloten für jeweils eigene Serien geplant, doch die Projekte wurden dann leider doch nicht mehr realisiert.

Gruß

Stahlnetz

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